Artikel LIZ (Leipziger Online Zeitung)

Leipziger Kita-Initiative enttäuscht über Koalitionsvertrag: Das ist nur Minimalkonsens statt Qualitätsoffensive

Redaktion
Frühkindliche Bildung sollte auch in Sachsen ein Nr.1-Thema sein.

Frühkindliche Bildung sollte auch in Sachsen ein Nr.1-Thema sein.
Foto: Ralf Julke
Da war der sächsische SPD-Vorsitzende Martin Dulig nun so stolz auf den Koalitionsvertrag, den CDU und SPD am Donnerstag, 23. Oktober, vorgelegt haben. Gerade um die Themen Kinder, Jugend und Bildung habe man sich bemüht, teilte er noch am Donnerstag mit. Und postwendend kam das Kopfschütteln der Leipziger Kita-Initiative: Eine richtige Qualitätsoffensive sähe anders aus.

 

 

Bei der Vorstellung konkreter Ergebnisse nannte Dulig an erster Stelle das Thema Kinder. „Kinder sind unsere Zukunft. Deshalb wollen wir mehr Geld in die Hand nehmen für die Zukunft unserer Kinder.“ Dulig verwies auf die geplante schrittweise Absenkung des Betreuungsschlüssels in Kindergärten und -krippen auf 1:12 beziehungsweise 1:5, die Einstellung von 6.100 neuen Lehrerinnen und Lehrern sowie das kostengünstige Bildungsticket.

Die Leipziger Kita-Initiative begrüßt nun zwar, dass die Landesregierung die Notwendigkeit der Verbesserung der frühkindlichen Bildung erkannt hat, zeigt sich jedoch enttäuscht, da keine Maßnahmen für eine deutliche Verbesserung der Betreuungsqualität beschlossen wurden.

Victoria Jankowicz von der Leipziger-Kita Initiative: „Das Land Sachsen wird trotz geringer Verbesserung des Betreuungsschlüssels bis 2016 bzw. 2018 auch zukünftig Schlusslicht in Sachen Betreuungsqualität sein. Eine Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation ist längst überfällig – der Koalitionsvertrag ist offensichtlich Minimalkonsens, von einer Qualitätsoffensive kann nicht die Rede sein. Dass die Medien davon sprechen, dass ab 2016 eine Fachkraft ’nur noch‘ 12 statt 13 bzw. im Krippenbereich ab 2018 5 statt 6 Kinder betreuen wird, zeigt, wie wenig von der Materie verstanden wird, denn das wird nicht der Fall sein.“

Es handelt sich beim Betreuungsschlüssel nicht um einen Gruppenschlüssel, sondern um eine Berechnung: Eine Fachkraft im Sinne eines 9-Stunden-Vollzeitäquivalents im Verhältnis zu 12 Kindern. Die meisten Erzieherinnen und Erzieher arbeiten aber in Teilzeit.

Noch ist nichts beschlossen …

„Aktuell betreut eine Fachkraft im Kindergartenbereich in Leipzig durchschnittlich etwa 18 Kinder“, stellt Victoria Jankowicz fest. „Dem gesetzlichen Betreuungsschlüssel wird damit dennoch entsprochen. Ab 2016 werden es dann nicht mehr 18, sondern vielleicht 16 oder 15 Kinder sein, aber es sind noch immer zu viele, um eine qualitativ hochwertige Betreuung zu gewährleisten und den sächsischen Bildungsplan umzusetzen. Unserer Forderung nach einer anderen Berechnung des Schlüssels im Sinne einer tatsächlichen Fachkraft-Kind-Relation und einem Betreuungsverhältnis von 1:10 im Ü3- und 1:4 im U3-Bereich kommen die Pläne der Regierung nicht nach. Dass die Verbesserungen so gering ausfallen, ist enttäuschend!“

Christin Melcher ergänzt: „Die Regierung musste den Betreuungsschlüssel verbessern nachdem dieser eines der heißen Wahlkampfthemen war. Uns fehlen aber zahlreiche Punkte: Von der so wichtigen und längst überfälligen Vergütung von Vor- und Nachbereitungszeiten für pädagogische Fachkräfte in Kinderbetreuungseinrichtungen ist zum Beispiel nicht die Rede. Dass das Land Sachsen die Personalkosten für die Verbesserung der Betreuungsrelation übernehmen will, ist zwar positiv zu bewerten, kompensiert aber kaum die Betriebskosten, die die Kommunen in den letzten Jahren nahezu allein tragen mussten. Auch zukünftig werden die Landeszuschüsse für die Kinderbetreuung ein Witz sein! CDU und SPD täten gut daran, grundsätzlich über eine Novellierung des sächsischen Kitagesetzes nachzudenken, in dem etwa der Landeszuschuss dynamisiert wird und nicht durch einen Festbetrag geregelt ist – so bleibt es dabei, dass die Hauptlast die Kommunen und Eltern tragen.“

Begrüßenswert bewertet die Elterninitiative die Betonung der qualitativen Verbesserung von Aus-, Fort- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte für frühkindliche Bildung sowie das Vorhaben, frühkindliche Bildungsforschung anzuregen. Auch die Weiterentwicklung von Kindertagesstätten zu Familienzentren sehen sie als ein positives Signal für eine sinnvollere Gestaltung der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung.

In Sachsen kommen etwa 40 Prozent der Kinder mit sprachlichen und kognitiven Problemen in die Schule, das ist ein Problem, auf das reagiert werden müsse, so die Kita-Initative, beispielsweise mit einem kostenfreien verpflichtenden Vorschuljahr, aber auch hier verpasse die Regierung die Chance, die Probleme tatkräftig anzugehen.

„Es bleibt abzuwarten, ob die Regierung diese Vorhaben auch finanziell untermauern und die Kommunen so bei der Umsetzung effektiv unterstützen wird. Natürlich ist frühkindliche Betreuung ein finanzieller Kraftakt, für Kommunen ebenso wie für das Land“, sagt Victoria Jankowicz. „Aber es geht dabei um so Vieles: Um die nachwachsenden Generationen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwa. Die Prioritäten müssen an dieser Stelle klar sein und gegebenenfalls andere Projekte hintenan gestellt werden.“

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Protest im Rathaus 20.11.2014 LVZ Artikel

CITYNEWS

Martinslieder für bessere Betreuungsschlüssel in Leipziger Kitas

Betreuer, Eltern und Kinder haben am Donnerstag im Neuen Rathaus für bessere Betreuungsschlüssel in Leipziger Kitas demonstriert. Foto: Evelyn ter VehnBetreuer, Eltern und Kinder haben am Donnerstag im Neuen Rathaus für bessere Betreuungsschlüssel in Leipziger Kitas demonstriert.
Leipzig. Drinnen referierten die Bürgermeister zu Anfragen an die Verwaltung, draußen vor dem Ratssaal sangen Eltern, Erzieher und Kinder Martinslieder. Mit ihrer Demo im Neuen Rathaus machte sich die Abordnung freier Kita-Träger in Leipzig für einen besseren Betreuungsschlüssel stark. „Wir müssen lauter werden, wenn sich etwas ändern soll“, sagte Maria Heinrich aus dem Waldorf-Kindergarten.

Der Koalitionsvertrag von CDU und SPD in Sachsen geht denen, die täglich mit den Kindern arbeiten, nicht weit genug. Danach soll bis September 2016 ein Erzieher nicht mehr für 13, sondern nur noch für zwölf Kinder zuständig sein.

„Zeit für Elterngespräche oder Vor- und Nachbereitung des Tages ist bei der Ermittlung des Personalbedarfs wieder nicht eingerechnet“, kritisiert Alexander Herfort, Erzieher im Trinitatis-Kindergarten. Bis zu einer spürbaren Entlastung verginge zu viel Zeit. Auch die Finanzierung müsse auf den Prüfstand: „Dabei sollten nicht nur Gelder des Bundes als Puffer genutzt werden. Auch der Freistaat muss seinen Beitrag leisten“, so Herfort.

Mehr als die Hälfte der rund 40.000 Kita-Plätze in Leipzig bestehen in Einrichtungen freier Träger, Stand März 2014. Der Stadtrat soll am Donnerstag auch die geringfügige Erhöhung der Elternbeiträge und die Bedarfsplanung von Kita- und Hortplätzen für das kommende Jahr beschließen. Danach will Leipzig 532 neue Betreuungsplätze schaffen, davon 173 für Kinder unter drei Jahren, 127 für Kindergartenkinder und 232 Plätze für Hortkinder.

Aktionsstunde zur Stadtratssitzung am 20.11.2014

Herzliche Einladung zur Lichterkette

ein kleiner Erfolg in der Kitapolitik ist mit dem Koalitionsvertrag CDU-SPD für Sachsen errungen.

Jetzt müssen die finanziellen Mittel dafür bereitgestellt werden!

Um die Stadtpolitik zu animieren, sich weiter für eine Verbesserung der für Kindern und Erzieher_innen gleichermaßen inakzeptablen Betreuungsschlüssel-Situation einzusetzen, möchten wir uns vor dem Leipziger Rathaus Anblick und Gehör verschaffen.

Mit Laternen werden wir gemeinsam mit unseren Kindern eine Lichterkette um das Rathaus herum bilden und das eine oder andere Lied erklingen lassen.

Wir wollen angenehm auffallen.

Wir müssen mit unserem Anliegen gesehen und gehört werden!

Dafür nutzen wir die Stadtratssitzung am 20. November 2014 (Donnerstag).

Treff zum Lichter entzünden ist 16 Uhr, Haupteingang Neues Rathaus. Dann verteilen wir uns von dort aus zur Lichterkette.

Ein zahlreiches Erscheinen ist ein großartiges Zeichen!

„Morgen kann ich nicht! Der Kindergarten hat zu.“

Liebe Arbeitgeberin, lieber Arbeitgeber,
das haben sie so vielleicht noch nicht gehört. NOCH nicht. Die Absicherung von Weiterbildung, Urlaub und Krankheit der ErzieherInnen in Sachsen ist durch den schlechten Betreuungschlüssel kaum gewährleistet. Ausfälle von Mitarbeiterinnen, auch durch die schlechten Arbeitsbedingungen, sind an der Tagesordnung. Sie beschäftigen in ihrem Umfeld. Menschen mit Kindern. Das ist gut so!
Eltern können Verantwortung übernehmen, sind motiviert und tragen dazu bei, dass unsere Gesellschaft eine Zukunft hat.
Um mit Ihnen zu arbeiten, brauchen die Eltern einen Kindergartenplatz. Einen Ort, an dem sie ihr Kind gut aufgehoben wissen, während sie zur Arbeit gehen. Nichts wäre schlimmer, als Mitarbeiter, die während der Arbeit immer mit dem Gedanken beschäftigt sind, ob es ihrem Kind gerade gut geht. Allerdings ist das bei den derzeit herrschenden Zuständen in sächsischen Kitas nicht verwunderlich. Weiterlesen